AllgemeinAnsprachen

Ich war am 31. Juli 2019 an der Bundesfeier in Aefligen BE als Festredner eingeladen. Diese grosse Ehre habe ich gerne angenommen, und habe meine erste offizielle Ansprache gehalten. Hier findet ihr den Text dazu, gebührend dem schweizerischen Nationalfeiertag in Mundart:

 

„Sehr geehrti Aefligerinne und Aefliger,

Sehr geehrte Gmeindratspräsidänt,

Sehr geehrti Feschtbsuecherinne und -bsuecher,

 

vorab möchti mi Bedanke dassi hie vorne darf stah, und zwar vorauem bir Brigitte Loosli, wo mi mit däm Telefonat vor es paar Mönet, doch chli überrascht het.
Es isch z erschte Mau, dass ig e Feschtahsprach zum 1. Ouguscht darf haute und es isch e grossi Ehr für mi, hie vor euch aune dörfe z stah und z rede. Ig ha mir lang Gedanke gmacht, über was me eigentlich redt bi sonere Feschtahsprach, ha duzendi Videos gluegt, mi wöue lah inspiriere und um ehrlich z sii: Ig weiss es hüt nonid rächt. Jedi Person leit angeri Schwärpünkt bi sonere Red, einisch politisch, einisch persönlich, einisch brueflich und einisch e Mix us auem. Darum hani mer überleit, für was dass d Schwiiz vorauem für mi persönlich steit und ha mi nachhär uf das fokussiert.

Glücklicherwiis het dr Schwiizerisch Gmeindverband ds Jahr 2019 zum „Jahr des Milizsystems“ userkore. Ds Milizsystem isch, ig zitiere churz usem Wörterbuech: „d näbebrueflechi Usüebig vo öffentliche Ämter und em Dienst ir Armee (im politische System vor Schwiiz)“. Was bedütet auso ds Milizsystem fürd Schwiiz? Das het für mi öbbis mit Solidarität z tue, und ou hie e churze Uszug us Wikipedia: „Solidarität bezeichnet e meischtens imne ethisch-politische Zämehang benännti Hautig vo Verbundeheit mit – und ungerstützig vo – Ideene, Aktivitäte und Ziele vo angerne.“. So, itz wüsse mer was ds Milizsystem isch und was Solidarität bedütet, aber was verbindet die beide mitenanger?

Ds Milizsystem isch ds Grundgrüscht vor Schwiizer Politik. Vereine, Verbänd, Gmeinde, Kantön und dr Bund boue druf uf, dass e grosse Teil vo Ihrere Arbeit Persone verrichte, wo das entweder unendgäudlich mache, oder mit ere ganz chliine entlöhni, aber vorauem näbem eigentliche Houptbruef. Sprich, me het zwar feschti Verpflichtige, äbe dr Bruef, aber isch näbebi z.B. no imne Verein aktiv, hiuft viellicht inere politische Partei mit und tuet so zuesätzlich no Arbeit leischte, wo nid in erschter Linie für sich säuber isch, sondern für angeri: für d Mitglieder im Verein, fürd Parteikollege, fürne Gmeind, e ganze Kanton, oder d Schwiiz. Churz: d Gsöuschaft.

Da chöimer itz d Brügg schlah zur Solidarität – was isch auso gross angers drah, obi mi im Milizsystem tue engagiere, oder obi anere Kollegin hiufe ihri Party z organisiere?
Ich beidne fäu wirdi nid bezahut. Ig hiufe aber angerne Persone derbi ihri Ziu z erreiche, mache se daderdür viellicht glücklich und ou aui wos betrifft, ih däm Bispiu itz aui wo ah die Party chöme.

D Solidarität geit aber no wiiter – und zwar uf staatlicher Basis, wo si no grösser isch und zudäm no anonym. Chrankeversicherige z.B. funktioniere äbefaus nachem Prinzip vor Solidarität. Me weiss nid ob me vo däm wome ihzahut jemaus möbbis muess bezieh, aber me zahuts ich. Für die angere.

Ds Grundgrüscht vor Schwiiz isch auso nid nume d Milizarbeit, sondern ou d Solidarität ungerenanger. Ou wenn mer wägem Kantönligeischt nid immer ihverstange si was die ih de angere Kantön säge und mache, aus Schwiiz häbe mer zäme und zeige üs solidarisch für aui Schwiizerinne und Schwiizer.

Wie auso würdi e Schwiiz usgseh, wo kei Milizarbeit gleischtet wird und wo niemer solidarisch isch? Mer luege das mau uf dr kommunale Ebeni ah:

Viellicht müesse mer üs nämlech gar nümme lang vorstöu wies isch ohni Milizarbeit, d Entwiicklig ir Schwiiz geit leider sehr ih die Richtig. Vieli Jungi Lüt interessiere sich nid für Gmeindspolitik. Ab und zue chanis ihne nid verüble, es cha schleppend und mängisch bitz längwiilig si. Aber je weniger lüt sich fürnes Gmeindsamt zur Verfüegig stöue, desto schwieriger isches fürne Gmeind schlussändlich, überhoupt z funktioniere. Es bruucht nämlich nid nume e Gmeindspräsidänt – es git so viu verschiedeni Pöschte z bsetze, wo wichtig si fürnes gordnets zämeläbe ihnere Gmeind.

Wie auso chame aus Gmeind jugendlichi und jungi Erwachseni derfür begeischtere, sich ir Gmeindpolitik z engagiere? Solidarisch z sii? Aus aueri erschts wärs wichtig, dass d Ching ou ihr Schueu scho dermit ih Berüehig chöme. Si kenne vo chli uf scho e Turnverein, e Sportclub oder Fanclubs, und finge sich ih unger sörtigne Organisatione z rächt. Wieso auso nid ou bi dr Gmeind und ihrne verschiedene Ufgabe?

Ganz eifach: Es wird ir Schueu nid drüber gredt.
Oder zweni, um hie nid auzu pessimistisch z töne. Ei Idee zum Bispiu wäri, d Gmeindspolitik de Jugendliche diräkt nöcher z bringe, ihdäm me z.B. e Gmeindsratssitzig mit Jugendrelevante Theme ihnes Klassezimmer verleit. Die Jugendliche chöi zuelose, diräkt ihri Meinig derzue abgäh und bechöme es gspüri über derfür was es bedütet, sich inere Gmeind z engagiere. E wiiteri Möglichkeit isch d schaffig vo Jugendkommissione. Ih sörtige Gmeindpolitische Instrumänt chöi Vorschläg konkret ahgange wärde und diräkt mit Jugendliche wiiterverfougt wärde.

Es git aber ou usserhaub vo de Gmeindsgränze Programm wie z.B. d Jugendsession und diversi kantonali und regionali Jugendparlamänt und -Fore, wo Interessierti sich chöi gah informiere und Glychgsinnti sueche. Wichtig isches hie, dass e Schueu, e Gmeind und ou dr Kanton d Wichtigkeit vo sörtige solidaritätsfördernde Programm erkennt und die ou dementsprächend ir Grundbiudig ahspricht. Ig persönlich ha z.B. nid gwüsst dass es es Jugendparlamänt überhoupt git. Und solang me nid weiss dass soöbbis existiert, de chunnt me ou nid uf d Idee im internet dernach z sueche um z merke, dass es ganz spannend cha si und die eigete interässe tuet abdecke.

Und wie chame solidarisch für die ganzi schwiiz si? Me chas „unfreiwillig“ si, wies bi Chranke- und Vorsorgeversicherige dr Fau isch. Aber ou freiwüuig, womit mer när bi chliine Handlige z.B. ir Familie bis hin zu grosse Handlige wie Abstimmige und Wahle lande. Wies scho ir Bundeskupple steit: „Unus pro omnibus, omnes pro uno“„Aui für eine – eine für aui“, was ja ou eis vo de Mottos vor Schwiiz isch.

Ig cha solidarisch si für es Familiemitglied wenns Chrank isch. Ig cha aber ou solidarisch si binere Abstimmig wos umne Kredit für öbbis geit, wo z.B. mini Region nid betrifft. Überau setzt me sich aus einzelni Person fürs Gägeüber ih, egau ob das nume ei angeri Person isch, es ganzes Dorf oder die kompletti Schwiiz.

Dr Philosoph und Soziolog Jürgen Habermas het mau gseit: „Wär sich solidarisch verhautet, nimmt im Vertroue dadruf, dass sich dr Anger ih ähnliche Situatione genau glych verhaute wird, im langfrischtige Eigeinterässe Nachteile in chouf.“

Solidarität heisst auso, ds Grosse und Ganze ahzluege und was me cha derzue biiträge, und nid eigebrödlerisch uf sich säuber behaftet z sii. Das isch z.B. ou ds Prinzip vom Militär- und Zivildienscht, einzelne Persone mag das ganze e Dorn im Oug si und finges absolut für nüt, angerersiits wiederum leischte tuusigi vo junge Persone e Dienst für mehreri Millione – ob freiwüuig oder nid, da chame sich itz drüber striite – si ungerstütze somit es ganzes Land, sig das nume bim Instandhaute vo Militärusrüschtig, bi Unwätterkatastrophe oder diräkt bir Bevölkerig aus Zivi wo z.B. imne Autersheim oder inere Schueu ushiuft.

Überau geits drum, öbbis ar Augemeinheit zrügge z gäh, ih welere Form ou immer das isch. Und wenn me solidarisch isch und sich im Milizsystem engagiert, denn ergäbe sich viellicht mau Sache, wome nie für möglich hätti ghaute. Me bechunnt viellicht es Gschänk über fürne Zyt imne Vorstand, me wird ihglade zumne Ässe vonere berüehmte oder bekannte Persönlichkeit, oder me steit plötzlich vor ere ganze Gmeind und hautet e 1. Ouguschtahsprach.

Itz hani so oft Solidarität und Milizsystem gseit, ig hoffe euch platzt itz de nid grad dr Chopf. Was isch auso d Moral vo minere Red?

Ou wenn dr gwüssi Teile vom politische und/oder em soziale System vor schwiiz mängisch nid verstöht oder euch nid dermit chöit identifiziere, dänket drah: Es ghört aues zumne grosse und ganze. Jedi und jede vo üs het ih irgendere Hinsicht Verpflichtige und geit Tätigkeite nache wome vo Härze und us vouer Überzügig macht, nid für sich, sondern wäg dr Sach.

Genau dadervo läbt üses Milizsystem. Genau dadervo läbt d Schwiiz.

Vo Mönsche, wo ihri eigete Interesse chli hingerah stöue, um ds Grosseganze z verfouge.

Itz, liebi Bsuecherinne und Bsuecher, wünsche ig euch e tolli Bundesfiir und hoffe, dass üsi Schwiiz ou in Zuekunft uf solidarischi Mönsche uf aune Äbenine cha zöue, sig das bimne Verein, emne Verband, bire Gmeind, emne Kanton oder bim Bund.

E schöne 1. Ouguscht euch aune!“

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